MENSCHENLIEDER-BENEFIZ-KONZERTE

Menschenlieder-Konzerte sind ein Charity-Projekt von playandhelp e.V. und Rolf Rötgers. Unterstützt werden mit den Erlösen gemeinwohlorientierte Initiativen. Diese können zu eigenen Gunsten Benefiz-Konzerte buchen und durchführen.

Die Zuhörer dürfen sich auf eine Veranstaltung mit einem deutschen Songpoeten der Extraklasse freuen. Der Autor, Sänger und Musiker engagiert sich für Projekte aus den Bereichen Soziales, Humanität, Gesundheit, Umwelt, Tierschutz und Bildung.



ZUM NULLTARIF

Von Plakaten über Pressematerial bis zur kompletten Technik stellen wir alles kostenlos zur Verfügung. Der Künstler spielt ohne Gage. Dadurch entfallen die üblichen finanziellen Risiken einer Kulturveranstaltung und der Organisationsaufwand wird auf ein Minimum reduziert. Ihr benötigt nur einen Veranstaltungsraum und natürlich die entsprechende Freude an der Durchführung.

Mehr Informationen über den Künstler, seine Veröffentlichungen, Kritiken, Video-Live-Mitschnitte etc. findet ihr auf der Website www.playandhelp.org

Dort erfahrt ihr außerdem alles über unser "charity music" Projekt zugunsten von Schüler Helfen Leben e.V. sowie unser kostenloses "fairplay" Spendenspiel, bei dem jeder spielend einfach helfen kann.



KONTAKT

playandhelp e.V.
Erlenstr. 19
27793 Wildeshausen

04431-9559947
rolf@playandhelp.org


Der Verein ist vom Finanzamt Vechta als gemeinnützig anerkannt und eingetragen beim Registergericht Oldenburg unter VR 200830.

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Rolf Rötgers

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Im Vorgarten schlich eine fremde schwarze Katze durch die Rhododendronbüsche. Es war ein kräftiges Tier, das sich elegant um die Äste und Stämme bog, alle drei Schritte verharrte, lauschte und beobachtete. Plötzlich stand es still. Knapp zwei Meter entfernt hüpfte ein Haussperling um den Rosenstrauch und pickte hier und da etwas von der Erde. Die Jagdlust war sofort geweckt. Eine Katze reizt alles, was sich nach links oder rechts oder von ihr fort bewegt. Sie drückte sich vorsichtig an den Boden, zog ihre Muskulatur zusammen und machte sich ganz klein. Ihre Blicke hefteten sich fest an die auserwählte Beute. Das Schwanzende schlängelte aufgeregt zitternd und die Hinterpfoten tanzten sich sanft in die ideale Absprungposition.
Das wird knapp, dachte André, gefesselt von diesem Schauspiel und gleichzeitig die Angst und den Ekel vor dem sich anbahnenden Drama fühlend. Zusehen oder handeln? Er schwankte. Es blieb kaum noch Zeit zum Denken. Handeln. Er katapultierte sich aus dem Sessel, raste durchs Wohnzimmer und den Flur, stürzte aus der Haustür, griff halb stolpernd einen Kiesel von der Einfahrt, stob um die Hausecke, warf den Stein und schrie: "Flieg!"
Sekundenbruchteile entschieden über Leben und Tod eines Vogels, Erfolg oder Misserfolg einer Jagd. Der Sperling flatterte aufgeschreckt davon, als die schwarzen Krallen sich dicht hinter ihm in die Erde gruben und nur noch eine braune Schwanzfeder aus dem flüchtenden Körper reißen konnten. André warf sich der Katze brüllend entgegen. Die sollte sehen, wie es ist, wenn sich ein Riese auf sie stürzt. Er wusste, dass Katzen keine hektischen, schnellen Zuwendungen von oben mögen. Und sie hassen es, angeschrien zu werden. Auch Bewegungen, die direkt auf sie zukommen, sind ihnen unangenehm, selbst wenn sie von einer Maus ausgehen. Unmittelbar vor ihr, nicht einmal eine Armlänge von ihr entfernt schlug er auf dem Boden auf. Aber dieser schwarze Vierbeiner wich keinen Zentimeter zurück. Auge in Auge lagen sie sich gegenüber. Ihre Blicke bohrten und stachen, verhakten sich ineinander, ohne sich eine Blöße zu geben. Kein Blinzeln, kein Zucken, kein Zögern.
"Du bist wahnsinnig!" sagte André.
"Nein, ich bin eine Katze."
Zum ersten Mal hörte er eine Katze reden. Die Stimme klang rauh und zänkisch, und sie zog an den Wörtern, als beständen sie aus Kaugummi. Er verstand die Lerche, die Stare und die Schwalben, obwohl er ihr Zwitschern, Pfeifen und Singen ebenso wahrnahm wie alle anderen Menschen. Aber existierte in seinem Kopf eine Art Simultan-Übersetzung. Dafür gab es keine wissenschaftliche Erklärung, die ihm ohnehin zu einseitig gewesen wäre. Befremdend fand er seine Fähigkeit allerdings schon deshalb nicht mehr, weil sie für ihn seit 18 Jahren Alltag bedeutete. Aber mit einer Katze hatte er noch nie gesprochen, das war neu.
"Warum hast du den leckeren Sperling verscheucht?"
"Leckerer Sperling!?" schnatterte es aus der großen Eiche. "Du verfressener schwarzer Teufel. Katzen sind Bestien. Sie spielen mit dem Leben kleiner Tiere. Und feige sind sie, feige. Sie schleichen sich hinterhältig an."
"Ach, sei doch ruhig, du blödes Federvieh! Du hast ja keine Ahnung."
André mischte sich ein.
"Der Sperling hat doch recht. Du fängst Mäuse und Vögel. Aber traust du dich auch, einen Hund zu fangen?"
"Ich trau mich sogar, einen Menschen zu fangen, ein großes Ungeheuer, das noch ängstlicher ist als ein Sperling. Ich könnte dir meine Krallen in die Augen schlagen, so schnell, dass du nicht einmal Zeit hättest, die Lider zu schließen."
"Sei vorsichtig!" schall es vom Baum herunter. "Die ist widerlich böse. Die macht dich für immer blind."
André jedoch war so fasziniert von dieser Situation, dass er die Gefahr völlig außer Acht ließ.
"Du hältst große Stücke auf deine Schnelligkeit, doch ich glaube, du überschätzt dich. Ich bin zwar ein langsamer Mensch, aber auch ich besitze einen schnellen Körper."
"Wie kommst du zu einem schnellen Körper?"
"Ich trainiere ihn mit einer Mischung aus Technik, Wahrnehmung und Philosophie. Wir nennen es Karate."
"Ich trainiere mit einer Mischung aus Mäusejagd und der Sperlingsjagd."
"Pfui Teufel!" schimpfte es aus dem Baum.
"Machen wir einen Test", schlug André vor.
Er suchte sich ein kleines Stöckchen und legte es genau zwischen sich und die Katze.
"Der Schnellere soll es sich holen."
"Gut, sprechender Mensch. Das ist ein schönes Spiel."
Sie brauchten kein Kommando. Beide waren erprobte Spieler. Die Augen des Gegners verrieten normalerweise den Angriff. Aber es blickten sich zwei stumme Augenpaare an, hochkonzentriert und doch in einer unheimlichen Gelassenheit ruhend. Da gab keiner dem anderen ein Zeichen und dennoch spürten beide, wann der Zeitpunkt der Aktion gekommen war. Gleichzeitig flogen Finger und Krallen auf das Stöckchen und hielten es fest.
"Da habt ihr's!" schwätzte der Sperling. "Eigentlich bin ich der Schnellste. Schließlich bin ich Dudu, Chef der Spatzengruppe 9."
"Angeber!" raunte die Katze ohne den Blick nach oben zu wenden und sprach weiter: "Du bist gut trainiert, Mensch."
"Danke für das Kompliment. Ich heiße übrigens André."
"Mein Name ist Sira."
"Sira!" krächzte Dudu. "Der Name ist so blöd wie das ganze Tier."
"Jetzt riskierst du aber ein zeimlich großes Maul." sagte André. "Ohne mich lägst du doch schon stumm wie ein Grab im Katzenmagen."
"Ich wusste es!" wetterte dieser beleidigt. "Die Großen müssen immer das letzte Wort haben."
In diesem Moment erschien Andrés Mutter an der Hausecke und fragte: "Was machst du da auf dem Boden?"
"Ich unterhalte mich mit der Katze."
"Aha! Und wieso musst du dazu durchs Blumenbeet kriechen?"
"Wir haben ein Spiel gespielt, Sira und ich. Die Katze heißt Sira."
"Kennst du sie denn? Ich hab sie hier noch nie gesehen."
"Ich auch nicht."
"Dann kannst du auch nicht wissen, wie sie heißt."
"Doch, sie hat's mir ja gesagt."
"Ach, André, wer soll dir das denn glauben? Pass lieber auf, dass sie dir nicht ins Gesicht kratzt."
"Das traut sie sich nicht. Schließlich kann ich Karate."
"Davon weiß die Katze ja nichts."
"Ich hab's ihr erzählt!"
"Mach keine Witze", stöhnte sie hilflos. "Obwohl ich hoffe, dass du nur Witze machst."
"Das ganze Leben ist hoffentlich nur ein Witz", bemerkte er und grinste der Katze ins Gesicht. Die grinste zurück. Und das war der Beginn einer neuen Freundschaft.





















Joe

Die Tage flogen vorüber. Auf Fragen gab es Antworten, und auf Antworten folgten neue Fragen. Er hoffte auf jeden Morgen, hoffte darauf, vielleicht überraschend in eine andere Welt zu erwachen, um so den Nächten zu entrinnen, die sich zu einer unendlichen Kette aneinanderreihten, die Gleichheit ständig duplizierend. Träume jagten Träume durch die dunklen Stunden, unverständliche Geschichten, die nach Schlaf-Ende in kleine Kartons rutschten. - André monologisierte und blinzelte in die aufgehende Sonne.
"Schon wieder eine Rätselkiste im Kopf. Die Vergangenheit ist böse. Sie kippt einen Haufen Schrott in eine Schachtel und sagt: Nun mal los! Bastel dir daraus die Zukunft. - Wie denn? - Nur die Sonnenstrahlen unterscheiden den Tag von der Nacht. Alles andere ist gleich. Gleicher Rhythmus, gleiche Fragen. Wo ist die Zukunft? Und vor allem, wo ist die Gegenwart? - Dummerchen! Die ist schneller als das Licht, deshalb kannst du sie auch nicht sehen. - Schlaumeier! Deine Antworten sind ungefähr so wertvoll wie Fliegenkacke. Aber Fliegenkacke muss nicht denken, ein nicht wieder gutzumachender Vorteil. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass sich seit meinem Krankenhausaufenthalt irgend etwas verändert hat. Das ist doch eigentlich schon mal besser, als der Status quo meines augenblicklichen Zustandes. Vielleicht wäre es sinnvoll, öfter einen Anfall zu bekommen?"
Er grinste überlegen und ignorierte die Angst vor dem Ernstfall. Dabei spürte er längst jeden Tag deutlicher die Folgen jener Attacke. Fast unerträgliche Kopfschmerzen plagten ihn in lang anhaltenden Schüben, und durch die kleinsten Erregungen zog sich seine Gesichtsmuskulatur in sekundenschnelle krampfhaft zusammen. Das Leben war urplötzlich ein anderes, in jeder Hinsicht. Karatetechniken, die er noch vor wenigen Wochen auf Grund jahrelangen Trainings sicher, kontrolliert und ohne Zweifel ausführte, verursachten jetzt Qualen. Sein Körper hatte Schaden genommen, er litt unter schnellen Bewegungen und konditioneller Belastung. Die Nerven flatterten, der Geist rätselte, und die Seele balancierte am Abgrund. Die Leichtigkeit war dahin, Kampf trat an ihre Stelle, und die Gelassenheit geriet ins Wanken. Für André war Karate mehr als ein Sport. Es war Philosophie, Selbstdisziplin und Medizin. Die Entdeckung und Entwicklung, die Optimierung und Kontrolle von Bewegungen war ein Weg, das eigene Leben stückchenweise in den Griff zu bekommen. Die eigenen Grenzen zu spüren, aber auch die eigenen Möglichkeiten auszuloten und dabei Grenzen zu verschieben und zu überwinden, zählte sportlich gesehen zu seinen wichtigsten Erfahrungen. Sein gutes Körpergefühl war das Gerüst, auf dem er emporklettern konnte, um den Ausblick in die eigenen Tiefen zu bestaunen. Vor jeder Selbstfindung stand eine Erkenntnis. Wie er sie erlangte, war egal. Dass Karate aus dem Japanischen übersetzt "Der Weg der leeren Hand" bedeutet, vermochte er leider nicht zu ändern. Das war ärgerlich, denn leere Hände besaß er gleich zwei.
"Ich befinde mich doch erst im jungen, jugendlichen Alter und stehe schon mit leeren Händen da. Wenn diese Tendenz anhält, beginnt demnächst die Entleerung des Körpers. Und wenn mein Schädel erst einmal hohl ist, wer soll mich dann noch retten? - Falsch! Völlig falsch! Ungeduld fördert den Pessimismus. Also stehe ich nur deshalb noch mit leeren Händen da, weil ich doch erst jung bin. Aber beides ist möglich. Und das wirft die Frage auf, ob ich mich nun auf der Jungfernfahrt befinde oder vielleicht schon ein Wrack bin?"
Er telefonierte.
"Auskunft, Platz drei. Guten Morgen."
"Geben Sie mir eine Auskunft?"
"Natürlich! Was möchten Sie wissen?"
"Keine Ahnung! Sie sind doch die Auskunft. Was haben Sie anzubieten"
"Wie! Was habe ich anzubieten! Telefonnummern habe ich anzubieten."
"Mehr nicht!? - Na gut, dann bieten Sie mal."
"Welche denn?"
"Blöde Frage! Wenn ich die schon wüsste, bräuchte ich ja Ihre Auskunft nicht."
"Sie müssen mir sagen, von welchem Menschen die Nummer sein soll."
"Tja, mein Gott! Am besten von einem, der noch lebt. Geben Sie mir einfach Ihre Nummer."
"Meine Nummer!? Das geht nicht."
"Wieso geht das nicht?"
"Weil ich Sie überhaupt nicht kenne."
"Wie, Sie kennen Ihre eigene Nummer nicht?"
"Doch, die schon. Aber Sie kenne ich nicht, meinen Gesprächspartner."
"Das stört mich nicht. Ich will nur meine Auskunft."
"Nennen Sie mir einen Namen und einen Ort, dann bekommen Sie eine Auskunft."
"Soll ich jetzt raten, wie Sie heißen?"
"Von mir aus."
"Okay. Sie heißen mit Vornamen Verarsch und mit Nachnahmen den Kunden. Stimmt's?"
"Mir reicht's!" sagte die Auskunft und kappte das Gespräch.
"Mir auch! Dieser Postdienst funktioniert nur im Vollrausch. Deshalb befürchte ich eine zärtlich aufblühende, lang andauernde Kommunikationsstörung zwischen uns. Erschreckend!"
Bei diesem Wort erinnerte er sich an das schreckliche Körpergefühl von verkrampfter Muskulatur, zuckenden Lippen und blockierter Atmung. Die Erinnerung weckte Ängste. Niemals wieder wollte er einem solch heimtückischen Überfall hilflos ausgeliefert sein. Doch er wusste auch nicht, wie er sich davor schützen konnte, und deshalb entwickelte sich die Angst zu einem ständigen Begleiter.

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